57. Jahrestagung
der Deutschsprachigen Gesellschaft für Kunst & Psychopathologie des Ausdrucks e.V.
Die diesjährige Tagung der Deutschsprachigen Gesellschaft für Kunst und Psychopathologie des Ausdrucks DGPA e.V. kann auf Einladung des Psychiatriemuseums Bern erneut an einer Wirk- und Ausstellungsstätte von Kunst Psychiatrieerfahrener, der Art brut oder Outsider Art stattfinden.
Das Psychiatriemuseum wurde 1914 auf Initiative des Psychiaters Walter Morgenthaler in der Universitätsklinik Waldau mit Werken von Adolf Wölfli und anderen Patient:innen gegründet. Es befindet sich seit 2025 in einer Neuausrichtung, wonach es sich als Forum für eine breite Diskussion um psychische Gesundheit im Diskurs von Psychiatrie, Kunst und Gesellschaft etablieren will.

Diesen Aufbruch begleitet das Museum in diesem Jahr mit einer Ausstellungsreihe unter dem Titel «Perspektiven», dem sich die DGPA mit eben dieser selben Titelidee für ihre diesjährige Tagung anschliesst.
Perspektiven, wörtlich «durchschauen», deutlich wahrnehmen, genau betrachten, in Augenschein nehmen, untersuchen, erkennen oder auch kennenlernen verbindet Kunst und Psychiatrie in besonderer Weise. Während die Zentralperspektive die dreidimensionale Wahrnehmung auf einer zweidimensionalen Fläche mit Fluchtpunkten und Linien simuliert, determiniert die Perspektive in der Psychologie und Psyche die subjektive Blick- und Sichtweise von uns Menschen. Mit ihr stellt sich zugleich die Frage nach dem Sein. Als «esse est percipi» bringt dies George Berkley es auf den Punkt. Sein Credo hat Gewicht: Wenn das Wahrgenommene ein Komplex von Ideen im Geist der Wahrnehmenden ist, besteht das Sein der Dinge in nichts anderem denn in seinem Wahrgenommenwerden.
Dass damit eine prekäre Relativierung einhergeht, erweist sich sowohl in der Kunst wie der Psychiatrie als breit ausgelotet: Die Vogelperspektive als Alternative zur Zentralperspektive oder schlicht die Verwirrung von Perspektiven in künstlerischen Darstellungen, der Perspektivenwechsel im psychotherapeutischen Kontext oder die empathische Perspektivenübernahme in neuropsychologischer Forschung zeigen, dass die objektive Wirklichkeit eben jeweils eine Wirklichkeit durch das Objektiv der Betrachtenden und Wahrnehmenden darstellt. Perspektive ist mithin nicht nur technischer Begriff, sondern grundlegendes Prinzip der Wahrnehmung, der Darstellung und des Ausdrucks ist – und letztlich auch der Verbindung zu anderen Begriffen wie bspw. dem Respekt.
PD Dr. med. Dr. phil. Daniel Sollberger
Geschäftsführender Präsident der DGPA