Veranstaltungen

57. Jahrestagung
der Deutschsprachigen Gesellschaft für Kunst & Psychopathologie des Ausdrucks e.V.

SAVE THE DATE !

22. - 24. Oktober 2026
"PERSPEKTIVEN"
Wahrnehmung in Kunst und Psychiatrie
Psychiatriemuseum Bern
Bolligenstrasse 111
CH-3000 Bern
CALL FOR PAPERS:
Vorschläge für 30-minütige Referate mit kurzem Abstract sind willkommen, gerne bis zum 31. Mai 2026 an: daniel.sollberger@pbl.ch

Die diesjährige Tagung der Deutschsprachigen Gesellschaft für Kunst und Psychopathologie des Ausdrucks DGPA e.V. nimmt die inzwischen fast schon Tradition gewordene Verortung ihrer Thematik an einer Wirk- und Ausstellungsstätte von Kunst Psychiatrieerfahrener, der Art brut oder Outsider Art, wahr mit der Gelegenheit, nach den Tagungen in der Collection de l’Art brut Lausanne, dem museum gugging bei Wien und der Sammlung Prinzhorn im letzten Jahr in Heidelberg in diesem Jahr vom Psychiatriemuseum Bern eingeladen zu sein.

 

Das Psychiatriemuseum, 1914 auf Initiative des Psychiaters Walter Morgenthaler in der Universitätsklinik Waldau mit Werken von Adolf Wölfli und anderen Patient:innen gegründet, befindet sich seit 2025 in einer Neuausrichtung, wonach es sich als Forum für eine breite Diskussion um psychische Gesundheit im Diskurs von Psychiatrie, Kunst und Gesellschaft etablieren will.

 

Diesen Aufbruch begleitet das Museum in diesem Jahr mit einer Ausstellungsreihe unter dem Titel «Perspektiven», dem sich die DGPA mit eben dieser selben Titelidee für ihre diesjährige Tagung anschliessen will.

 

Perspektiven, wörtlich «durchschauen», deutlich wahrnehmen, genau betrachten, in Augenschein nehmen, untersuchen, erkennen oder auch kennenlernen verbindet in besonderer Weise Kunst und Psyche. Während die Zentralperspektive die dreidimensionale Wahrnehmung auf einer zweidimensionalen Fläche simuliert mit Fluchtpunkten und Linien, bildet die Perspektive in der Psychologie und Psychiatrie die subjektive Blick- und Sichtweise von uns Menschen. Mit ihr stellt sich zugleich die Frage nach dem Sein. «Esse est percipi», wie George Berkley es auf den Punkt bringt, verweist darauf, dass wenn das Wahrgenommene ein Komplex von Ideen im Geist der Wahrnehmenden ist, das Sein der Dinge in nichts anderem besteht, denn in seinem Wahrgenommenwerden.

 

Dass damit eine intrikate Relativierung einhergeht, ist sowohl in der Kunst wie der Psychiatrie breit ausgelotet: Die Vogelperspektive als Alternative zur Zentralperspektive oder schlicht die Verwirrung von Perspektiven in künstlerischen Darstellungen, der Perspektivenwechsel im psychotherapeutischen Kontext oder die empathische Perspektivenübernahme in neuropsychologischer Forschung zeigen, dass die objektive Wirklichkeit eben jeweils eine Wirklichkeit durch das Objektiv der Betrachtenden und Wahrnehmenden darstellt und also die Perspektive nicht nur technischer Begriff, sondern grundlegendes Prinzip der Wahrnehmung, der Darstellung und des Ausdrucks ist – und letztlich auch der Verbindung zu anderen Begriffen wie bspw. dem Respekt.

 

PD Dr. med. Dr. phil. Daniel Sollberger
Geschäftsführender Präsident der DGPA